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Natur- und Waldputz in Ziegelhausen

Ziegelhausen ist seit Sonntag, 26. März zwischen Köpfel, Büchsenacker und Mausbachtal vom Müll befreit. Zahlreiche Helfer, auch viele Familien und Kinder, haben dazu beigetragen, ganze Säcke voll einzusammeln. Vom Dauerregen ließen sie sich nicht beeinträchtigen. Mit dabei waren Vertreter der Mountainbiker des Deutschen Alpenvereins, der Waldschule und des Waldkindergartens am Köpfel. Der Aktionstag Natur- und Waldputz von Natürlich Heidelberg fand zum erstenmal auch in Ziegelhausen statt.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen: eine Ladefläche voll Müll lag in der Landschaft – leider
Frisch geputzt: die Landschaft am Köpfel mit Will-Sohl-Anlage
Nach getaner Arbeit – jetzt kam auch die Sonne raus

Alle Fotos: ©Tobias Städtler

Wer weiß etwas? – Rudi Müllers

Der Maler Rudi Müllers

Im Museum im Alten Rathaus Neckargemünd fand vom 23. November bis zum 18. Dezember 2022 eine Ausstellung zum Thema Herkunfts- und Sehnsuchtsort: Heidelberger Maler im 19. und 20. Jahrhundert statt. Darin war z. B. auch ein Gemälde vom Stift Neuburg in Ziegelhausen von Rudi Müllers, München 1895–1972 Ziegelhausen, zu sehen: Blick ins Neckartal bei Stift Neuburg (Öl, 38,5 x 43 cm, Privatbesitz).

Die Ausstellung ist beendet. Die Dauerausstellung zur Stadtgeschichte, Entwicklung der Neckarschiffahrt, Volkskunde und Kunstgeschichte ist sonntags 11 – 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. Das Begleitheft zur Sonderausstellung (88 Seiten) ist noch erhältlich. Information: Museum im Alten Rathaus Neckargemünd

Rudi Müllers war Architektur- und Landschaftsmaler. Er studierte Malerei an der Kunstakademie München und in Leipzig wohl an der Städtischen Gewerbeschule. Ab 1928 wohnte er in Mannheim in D4,6, in der Nähe der Sternwarte. 1945 eröffnete er in Heidelberg am Kornmarkt ein Büro für Werbegrafik. Er zeichnete unter anderem Hafen- und Industrieszenen von Mannheim und Innenansichten von Heidelberg. „Wie bei seinen Grafiken achtete er bei seinen Ölgemälden auf eine genaue und detaillierte Erfassung der Bildmotive. Die Farben, ein wenig pastos aufgetragen, sind fein nuanciert und harmonisch aufeinander abgestimmt.“ (Benno K. Lehmann, Ausstellungskatalog 2022, S. 84-85)

Die Werke von Rudi Müllers sind noch nicht gemeinfrei. Daher kann ich hier kein Gemälde zeigen. Das Ölgemälde Blick ins Neckartal bei Stift Neuburg ist im Ausstellungsflyer abgedruckt, der auf der oben angegebenen Museumsseite heruntergeladen werden kann. Das Heimatmuseum Seckenheim widmete Müllers 2010 eine Ausstellung.

Einige Bilder von Rudi Müllers, auch das von Stift Neuburg, zeigt folgende Seite: https://www.invaluable.com/artist/mullers-rudi-x6d59n7wp8/sold-at-auction-prices/ (u.a. 2 Ansichten von Neckarsteinach und eine von Mückenloch, abgerufen 2.1.2023)

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Weiß jemand näheres über Rudi Müllers und seine Zeit in Ziegelhausen? Er ist am 15. September 1972 in Ziegelhausen gestorben. Sein Grab auf dem Bergfriedhof ist noch erhalten. Für Hinweise bin ich dankbar.

Literatur

verwendet

Benno K. Lehmann, Herkunfts- und Sehnsuchtsort: Heidelberger Maler im 19. und 20. Jahrhundert, Begleitband zur Ausstellung, Museum im Alten Rathaus Neckargemünd, 23. Oktober bis 18. Dezember 2022, S. 84f

weitere Literatur

Henner-W. Harling, Der Maler Rudi Müllers fand in Schriesheim einen außergewöhnlichen Blickwinkel, Schriesheimer Jahrbuch. Jg. 13, 2009, S. 140 – 144

Rudi Müllers, Das malerische Frankfurt a.M., 6 Original-Radierungen von Rudi Müllers (Mappe)

Mühlkanal freigelegt

Der Kanal der Mühle am Rainweg ist wieder zu sehen

Im Zuge der Baumaßnahmen am Beginn des Rainwegs ist ein Teil des alten Mühlkanals der Loh- und Weißmühle zwischen Rainweg und Fürstenweiher offengelegt worden. Nachdem die Streuobstwiese zwischen der Mühle und der Zimmerei Maisch vor einigen Jahren verwüstet worden war, haben nun die Bauarbeiten begonnen. Das Grundstück ist auf ganzer Fläche aufgewühlt und abgegraben. Im intensiv roten Buntsandsteinschutt steht in den Senken Wasser und Schlamm. Dies ist wohl der Grund dafür, daß der alte Mühlkanal als Abfluß wieder freigelegt wurde. Nun ist der Kanal vorübergehend offen sichtbar, fast so gut wie bei einer archäologischen Grabung.

Nach Aufgabe der Mühlen war der Mühlkanal zugeschüttet worden und es verlief ein öffentlicher Fußweg darauf, von unmittelbar hinter der Zimmerei Maisch fast eben am Hang entlang, durch die damals noch bestehende Lücke zwischen dem Mühlengebäude und dem oberhalb davon stehenden Wohnhaus hindurch und auf den Rainweg. In den letzten Jahren war der Kanal mit Gras bewachsen.

Die Situation im März 2015, der mit Gras bewachsene Kanal ist am intensiven Grün gut zu erkennen.
Mühlengebäude und Wohnhaus heute zum Vergleich

Das Wasser zum Mühlkanal muß aus dem westlichen Ast der Steinbach im Kreuzgrund, kurz vor der Mündung ins Steinbachtal, etwa hinter den Häusern Kreuzgrundweg 2/2, 2/3 abgeleitet worden sein.

Neben dem Mühlkanal ist auch der Zulauf zur Mühle freigelegt. So kann man einige Details beobachten, die vorher verborgen waren. Der Kanal mündet in einen ungefähr würfelförmigen Kasten, den Wassersammler. Rechts hinten ist der Auslauf aus dem Wassersammler zu sehen, wo das Wasser ins Gerinne und auf das oberschlächtige Mühlrad geführt wurde.

Der Wassersammler

Lage

Bei Klick ins Bild öffnet sich die Karte auf OpenstreetMap

Zum Thema

Die Mühlkanäle in Ziegelhausen

Grün – Der alte Birnenbaum

In der Nähe der Will-Sohl-Anlage steht ein alter Birnenbaum. Hier ein Bild, wie er all die Jahre bis 2021 geblüht hat.

Der alte Birnenbaum 2017 in der Blüte (von Westen)

Schon in meiner Kindheit war dies ein stattlicher Baum. Die Kreuzung zwischen dem Oberen Rainweg und dem Köpfelweg lag damals noch tiefer. Die Parkplatz-Aufschüttung hinter dem Baum war auch noch nicht vorhanden. Unter dem markanten, auf einer ebenen Fläche oberhalb der Straße stehenden Baum stand lange Zeit ein Kleinbus. So ist mir die Szene heute noch gut in Erinnerung.

Der Baum war am Stamm und den inneren Ästen später mit Efeu bewachsen. Dies hat man vor einigen Jahren unten abgeschnitten, so dass das mit dem vertrockneten Efeu in den nächsten Jahren nicht mehr schön aussah. Aber zur Blütezeit wusste der Baum sich noch von seiner schönsten Seite zu präsentieren … bis Anfang 2022. Da hat man diesen Baum wüst zusammengestutzt und alle lebendigen, mit Blättern bewachsenen Astteile abgeschnitten. Mühsam hat der Baum im Lauf des Jahres wieder einige kleine Zweige aus den Stümpfen ausgetrieben. Ob der Baum, auch angesichts seines hohen Alters, sich noch einmal erholen und überleben kann, da habe ich große Bedenken.

Der Baum im November 2022 (von Osten)

Auch andere Bäume in der näheren Umgebung wurden ähnlich malträtiert, wie diese beiden Birnenbäume am oberen Ende des Neuen Weges.

Neuer Weg, 21. November 2022
Neuer Weg, Aussichtspunkt, hier beginnt das Landschaftsschutzgebiet

Einer alten Eiche am Waldrand, am Köpfelweg oberhalb des Hallenbades, heute Stiftweg genannt, ist es ebenfalls schlecht ergangen. Der stattliche Baum durfte vermutlich mindestens 170 Jahre lang seine charakteristische Form haben, bis er in heutiger Zeit zusammengestutzt wurde – ein trauriger Anblick. Auch er steht am Eingang zum Landschaftsschutzgebiet.

Die alte Eiche am alten Köpfelweg am Waldrand

(ergänzt 23.11.22)

Zum Thema

Baumruinen nach unsachgemäßem Radikalschnitt, StadtGrün Heidelberg

Grün – Will-Sohl-Anlage

Die Will-Sohl-Anlage

Die Will-Sohl-Anlage beim Hallenbad in Ziegelhausen lädt zum Verweilen ein, je nach Bänken entweder um Ruhe zu finden oder in Geselligkeit. Die Grünfläche wurde 2008 in der heutigen Form angelegt, vom städtischen Landschafts- und Forstamt in Zusammenarbeit mit engagierten Bürgern. Den Namen erhielt sie erst 2014. Damit soll der Maler Will Sohl (1906-1969) geehrt werden, der im Pförtnerhaus von Stift Neuburg, am Anfang des Stiftweges, wohnte. Sein Sohn Pieter Sohl (1933-2018), Maler und Bildhauer, schuf in der Mitte der drei gesellschaftlich angeordneten Bänke eine Skulptur aus Bronze.

Will-Sohl-Anlage

In früheren Jahren stand auf der der Straße zugewandten Seite des Platzes eine dichte Gruppe von großen Fichten, deren Äste bis auf den Boden reichten. Von der Straße, dem Oberen Rainweg, konnte man auf einem Fußweg schnell zwischen den Fichten verschwinden, den Verkehr hinter sich lassen und in eine andere Welt eintauchen. Hinter den Fichten ging der ruhige Fußweg weiter in Richtung Hallenbad. Mir ist nicht bekannt, warum die Fichten komplett weichen mussten.

Heute blühen jedes Jahr im zeitigen Frühling zwei Mandelbäumchen in voller Pracht.

Mandelbaum in der Anlage
Die Mandelblüte aus der Nähe
Nickender Blaustern in der Will-Sohl-Anlage 2012

Mehrere Jahre lang haben einen auf der Wiese der Anlage im März Blausterne mit ihren leuchtend blauen Blüten erfreut. Vor einigen Jahren ist dann jemand auf die Idee gekommen, die Wiese ausgerechnet während der vollen Blüte der Blausterne zu mähen. Die Blausterne verbringen die meiste Zeit des Jahres im Ruhezustand unter der Erde. Ihr jährliches Leben währt nur kurz, wie bei anderen Frühblühern ja auch. Von den vielen Blausternen auf der Wiese hat keine einzige Pflanze die Zerstörung während der Blütezeit überlebt. In den folgenden Jahren ist nie mehr auch nur eine Blüte davon aufgetaucht.

Der Nickende Blaustern (Scilla siberica) ist von Natur aus in feuchten, lichten Wäldern im Kaukasus, Südrussland, der Türkei und dem Iran anzutreffen. Bei uns ist er eine beliebte Zierpflanze in Gärten und Parks.

Zum Nachlesen

Künstlernachlässe Mannheim: Will Sohl

Via Monumentum – Denkmalpflege Heidelberger Friedhöfe e.V.: Will Sohl